Cookie-Einstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Cookie-Einstellungen

Christus in der Mandorla

Sehhilfen zum Wandbild in der Apsis der Kirche

von Wolfgang Duck, dem Künstler

Bilder haben nichts mit einer didaktischen Funktion oder einer leicht verständlichen Predigt zu tun. Vielmehr zielen sie auf jene Höhe des Denkens, die der hl. Thomas von Aquin Meditation oder Kontemplation nannte. Und dies braucht Zeit. Das Mysterium der Inkarnation kann durch die Augen – durch die tägliche Bildbetrachtung auf unsere Gedächtnis einwirken. 

Giovanni di Genova sagt: „Empfindung der Andacht werden leichter durch Gesehenes als durch Gehörtes hervorgerufen.“ Sofern die Malerei also bestimmt ist, uns tiefe theologische Geheimnisse ins Gedächtnis zu rufen, kann sie sich nicht darauf reduzieren erzählend, leicht verständlich und Natur nachahmend zu sein. Die Malerei ist imstande die Erinnerung an ein Mysterium wachzurufen, das Gedächtnis eines Mysteriums zu produzieren. 

Die Bilder sind also nicht das Eigentliche, das Mysterium, sie führen dazu hin. Aber ohne Bilder teilt sich das Eigentliche nicht mit. 

Was sehen wir?

Wir sehen ein Rundbild mit konzentrischen silbernen und orange - goldenen Kreisen. Bei Hildegard von Bingen heißt es: „Das Geheinis der göttlichen Trinität: Christus inmitten eines silbernen und goldenen Kreises.“ 

Wir sehen im Inneren der Kreise eine blaue Mandelform. Nach Bernhard Welte ist sie der „mythische - bildliche Ort der Erscheinung Gottes“. Bei Paul Celan steht im Gedicht „Mandorla“: 

“Dein Aug – wohin steht Dein Auge?
Dein Aug steht der Mandel entgegen
Es steht zum König.
So steht es und steht.
Menschenlocke, wirst nicht grau.
Leere Mandel, königsblau.“
 

Und nun ins Zentrum des Bildes: Wir sehen ein Spiel von Formen und Farben: Die Grundfarben Gelb, Rot und Blau in ihrer „Dreieinigkeit“. Die stärksten Komplementärfarben: Gelb – Violett, Rot - Grün, Oange- Blau, Schwarz - Weiß. Die Form: Verschlungene Wege, fast Labyrinth, Symbole wie „Fischblase“, Sonne, Mond, Schlange, Trompete, Kosmos usw. Das alles zu einer thronenden Figur organisiert. Und dieser Kosmos wendet sich uns zu, sieht uns an wie ein einziges großes Gesicht.

Und damit wenden wir uns dem Schwierigsten zu: dem Mysterium der Inkarnation. Es ist das „Dunkelste“ aller Mysterien und zugleich der höchste Einsatz einer Malerei. Wenn diese theologische Geheimnisse eine Figuration verlangt, so vor allem deshalb, weil es darin eben um die Inkarnation geht, d.h. um die sichtbare Existenz des Göttlichen in der Person Christi. Wie soll ein göttlicher Logos, der sich inkarniert, aussehen?

Das ist das größte Paradox überhaupt. Der heilige Bernhardin von Siena (15 Jh.) sagt: „Die Ewigkeit geht ins Zeitliche ein, das Unermeßliche ins Maß, der Schöpfer ins Geschöpf, das Unfigurierbare in die Figur, das Unsagbare ins Wort, das Unbegrenzbare in den Ort, das Unsichtbare ins Geschehen...“ Gemalte Figuren müssen also das Unfigurierbare in sich enthalten. Die erzählte Geschichte der Figuren ist Vergangenheit, während das Mysterium in der Gegenwart fortlebt. Es verbreitet sich in Form von Zeichen, die gleichzeitig Präsenz sind, Zeichen, deren Modell die Eucharistie ist.

Und nun schauen Sie nach oben in die Spitze der Mandel: Ein geber und weißer Kreis. Was ist eine Hostie? Eine Hostie ist zugleich Zeichen und Präsenz des Leibes Christi. Und doch ist eine Hostie nur eine weiße Fläche ohne „Figur“, d.h. ohne irgendeine Ähnlichkeit mit dem, dessen Zeichen und Präsenz sie ist: Christus.

Paul Klee sagt: „Jedes Bild ist ein Fenster zum Unsichtbaren“.

Schauen Sie!